Das bin ich

Wie könnt Ihr leben
Tag um Tag
auf den Trümmern meines Glück’s?
Tut es wohl, in Blut zu baden?
Gibt Euch das den letzten Kick?
Steht denn Euer eignes Leben
über allem auf der Welt?
Bedenkt Ihr nicht das Leid der andern?
Fragt Ihr nicht, ob Euer Handeln
Schatten wirft und Wellen schlägt?

Wie könnt Ihr leben
mit dem Wissen,
dass Euer Glück auf Scherben ruht,
dass Euer Wollen, Euer Streben
weiter nichts als Leid gebirt?

Ich bin bestimmt kein guter Mensch
und meine Weisheit ist begrenzt,
doch dass Ihr eine Welt erschuft
in der kein Platz mehr ist für Freude,
in der die Zeit zu Staub zerfällt,
in der nur Schmerz und Angst regiert
und dass dies meine Welt nun ist,
dessen klage ich Euch an.
Denn Ihr seid Menschen, so wie ich.
Ihr wisst, was Leid, was Schmerz erfahren heißt
und dass Ihr dennoch Eure Ziele
so unbarmherzig schnell verfolgtet,
so ohne Rücksicht auf Verluste,
so ohne Rücksicht auf die andern,
die Eurem Glück im Wege standen
und im Moment vielleicht noch stehen,
das ist das Kleinste und Gemeinste,
zugleich der größte Schicksalsschlag,
der mir im Leben widerfuhr.
Die Menschenbombe in der U-Bahn.
Ein ausgemerzter Zwillingsturm.

Ich kann Euch keinen Frieden schenken.
Ihr seid das Salz in meiner Wunde.
Meine Welt ist mir zersprungen
und das ist einzig Euer Werk.
Eure Sonne mag zwar scheinen,
doch wirft sie auch ein warmes Licht?
Fühlt Ihr die Kälte hinterm Schatten?
Merkt Ihr nicht, wie kalt es ist?

Für mich scheint keine Sonne mehr.
Meine Welt ist still geworden.
Tief in mir ist das zerbrochen,
was mir einst wichtig,
vielleicht heilig war.
Meinen Glauben an die Liebe,
die Familie, an die Menschen,
den habt ihr gründlich ausradiert.
Habt ihn zerfetzt, bespuckt, zertreten
und Euren Tanz
drauf aufgeführt.

Doch noch bin ich am Leben,
ich bin noch da, noch atme ich.
Euer Glück wird nie perfekt sein,
solange meine Brust sich hebt.

Ich bin das Wrack in Eurem Hafen,
ich bin das Virus im Verborgnen.
Das Gefühl, das es nicht aufhört,
das es nie gut ist, das bin ich.