Die Wahrsagerin

Neulich schleppte man mich mit
zu einer Wahrsagerin
dort roch es süßlich, nach Weihrauch
und ein bisschen nach Gin
in einer Ecke saß ausgestopft
ein kohlschwarzer Rabe
man schwor mir die Wahrsagerin
habe die Gabe
aus den Händen und Karten
die Zukunft zu sehn
auf ihrem Tisch hatte sie eine
riesige Glaskugel stehn
sie war ein recht altes, verhutzeltes Weib
ihre Augen, die huschten
mir blitzschnell über'n Leib
und ihre klammen Finger griffen
fest meine Hände
alsbald nickte sie wissend
als sprächen sie Bände
schließlich hielt sie mir einen Stapel
mit Spielkarten hin
hieß mich langsam zu mischen
und dann fünfe zu ziehn
die sie um den Herzkönig
auf dem Tisch drapierte
die Erste, die Zweite,
die Dritte, die Vierte
die Fünfte legte sie endlich
dem Herz-König auf den Bauch
danach schloß sie die Augen
genau das tat ich auch
bis sie schließlich mit
krächzender Stimme begann
eine Karte nach der anderen umzudrehn
"Sie haben ein Kind,
wahrscheinlich einen Jungen
und Sie müssen zur Zeit
um seine Liebe ringen.
Ihre Frau hat Ihnen sehr weh getan.
Ich sehe neben ihr einen anderen Mann.
Das Geld verlässt sie
doch es kommt wieder zurück.
Ihre Frau tut das nicht,
doch seh ich Liebesglück.
Die Herz-Neun verrät mir
das dort Geschenke sind.
Oh - die Herz-Acht!
Ja, sie bekommen noch ein Kind!
Ihr Vater ist wichtig
doch war er länger nicht da -
vermutlich für sechs oder sieben Jahr'!
Eine Reise die führt Sie
recht bald schon nach Kairo,
aber mehr seh ich nicht -
das macht dann zwanzig Euro!"